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Online-Kurs mit KI erstellen: Anleitung von der Idee bis zum ersten Modul

Von Bela Goldmann · Aktualisiert am · 5 Min. Lesezeit

Ein Online-Kurs scheitert selten an der Technik. Er scheitert daran, dass er zu groß geplant ist, nie fertig wird oder ein Problem löst, das niemand hat. KI-Tools nehmen dir heute einen großen Teil der Fleißarbeit ab: Gliederung, Skripte, Folien, Arbeitsblätter, Untertitel. Diese Anleitung zeigt dir, wie du damit einen kompakten Kurs baust, der fertig wird, und an welchen Stellen du die KI bewusst nicht ranlassen solltest.

Erst klein: Minikurs statt Mammutprojekt

Plane deinen ersten Kurs als Minikurs: ein Problem, ein Ergebnis, 30 bis 90 Minuten Video plus Arbeitsmaterial. Ein großer Kurs mit 12 Modulen braucht Monate und du weißt erst am Ende, ob ihn jemand will. Ein Minikurs ist in ein bis drei Wochen machbar und zeigt dir schnell, ob dein Thema trägt. Aus mehreren Minikursen lässt sich später immer noch ein großes Paket schnüren.

Umfang
Minikurs1 Problem, 3 bis 6 Lektionen
Großer Kursganzes Themenfeld, 8 bis 15 Module
Produktionszeit
MinikursTage bis wenige Wochen
Großer Kursmehrere Monate
Risiko
Minikursgering, schnelles Feedback
Großer Kurshoch, Feedback erst nach Fertigstellung
Durcharbeiten
Minikursan einem Abend oder Wochenende machbar
Großer Kursbraucht Wochen Durchhaltevermögen

Schritt 1: Das Lernergebnis festlegen

Formuliere, was Teilnehmer nach dem Kurs tun können, nicht was sie wissen. "Versteht die Grundlagen von Excel" ist kein Lernziel. "Baut eine Haushaltsbuch-Tabelle mit automatischer Monatsauswertung" ist eins. Ein überprüfbares Ergebnis macht später alles einfacher: Gliederung, Verkaufstext, Feedback.

Schritt 2: Nachfrage testen, bevor du produzierst

  • Fragen sammeln: Wo stellt deine Zielgruppe Fragen zu dem Thema? Foren, Kommentare, Gruppen, Google-Suchvorschläge. Wenn du 15 oder mehr wiederkehrende Fragen findest, gibt es Bedarf.
  • Gespräche führen: Sprich mit fünf Menschen aus der Zielgruppe und frag, wie sie das Problem bisher lösen und was sie das kostet. Notier ihre Formulierungen wörtlich, die brauchst du später für den Verkaufstext.
  • Warteliste oder Vorverkauf: Eine einfache Seite mit Kursversprechen, Inhaltsübersicht und Eintragung für die Warteliste. Tragen sich Menschen ein, lohnt sich die Produktion. Wenn nicht, hast du ein paar Stunden investiert statt ein paar Wochen.

Wie du Themen systematisch auf Nachfrage prüfst, zeigt der AI Nischenfinder Schritt für Schritt.

Schritt 3: Modulplan mit KI erstellen

Prompt Modulplan
Ich erstelle einen Minikurs.
Zielgruppe: [2 Sätze]
Lernergebnis: Nach dem Kurs kann die Person [konkretes, überprüfbares Ergebnis].
Vorwissen der Teilnehmer: [was sie schon können]
Häufige Fragen und Probleme der Zielgruppe:
"""
[deine gesammelten Fragen]
"""

Erstelle einen Kursplan mit 3 bis 6 Lektionen.
Pro Lektion: Titel, Lernziel als Handlung ("kann ..."), Dauer in Minuten, eine praktische Übung.
Die Lektionen sollen aufeinander aufbauen. Keine reine Theorie-Lektion ohne Übung.
Prüfe am Ende: Erreicht jemand, der alle Übungen macht, wirklich das Lernergebnis? Wenn nicht, sag, was fehlt.

Der letzte Absatz im Prompt ist der wichtigste: Er lässt die KI ihren eigenen Plan gegen dein Lernziel prüfen. Lies den Plan danach trotzdem selbst mit der Frage: Würde ich als Anfänger hier irgendwo hängen bleiben?

Schritt 4: Skripte schreiben, die nach dir klingen

Für Videolektionen brauchst du kein Wort-für-Wort-Skript, aber einen klaren Ablauf. Als grobe Orientierung: Beim freien Sprechen kommen die meisten Menschen auf etwa 120 bis 150 Wörter pro Minute. Eine Lektion von 8 Minuten entspricht also etwa 1.000 bis 1.200 Wörtern.

Prompt Lektionsskript
Schreibe das Sprechskript für Lektion [Nummer]: [Titel].
Lernziel: [kann ...]
Dauer: ca. [8] Minuten gesprochen.

Meine Inhalte, die rein müssen:
- [eigenes Beispiel oder Vorgehen]
- [häufiger Fehler und wie man ihn vermeidet]

Aufbau:
1. Einstieg in 2 Sätzen: welches Problem diese Lektion löst
2. Erklärung in kurzen Abschnitten, jeder mit einem konkreten Beispiel
3. Übung: was die Person jetzt selbst macht, Schritt für Schritt
4. Ein Satz Überleitung zur nächsten Lektion

Stil: gesprochene Sprache, kurze Sätze, Du-Form, keine Fremdwörter ohne Erklärung.
Markiere Stellen, an denen ich etwas auf dem Bildschirm zeigen sollte, mit [ZEIGEN: ...].

Schritt 5: Folien und Arbeitsmaterial

Folien sind Stütze, nicht Inhalt. Pro Folie ein Gedanke, wenig Text, große Schrift. Zwei Wege funktionieren gut:

  • Gamma: erstellt aus deinem Skript per KI eine komplette Präsentation. Die kostenlose Stufe hat ein einmaliges Kontingent an KI-Credits und setzt ein Gamma-Wasserzeichen, für veröffentlichte Kurse brauchst du deshalb in der Regel ein Abo.
  • Canva: mehr Handarbeit, dafür volle Kontrolle über das Design und eine große Vorlagenauswahl. Für einheitliche Kurse legst du eine Vorlage mit deinen Farben und Schriften an.

Arbeitsblätter, Checklisten und Vorlagen sind oft das, was Teilnehmer am meisten schätzen, weil sie direkt damit arbeiten können. Lass dir von der KI aus jedem Skript eine einseitige Checkliste und eine Übungsvorlage erstellen und überarbeite sie danach.

Schritt 6: Aufnehmen

Bildschirm und Kamera
WerkzeugOBS Studio (kostenlos, Open Source) oder Loom
Worauf es ankommtRuhiger Bildschirm, Benachrichtigungen aus, Browser-Tabs schließen
Ton
WerkzeugUSB- oder Ansteckmikrofon
Worauf es ankommtTon ist wichtiger als Bild: Ein günstiges Mikrofon schlägt jede eingebaute Laptop-Lösung
Schnitt und Untertitel
WerkzeugSchnittprogramm mit automatischer Transkription
Worauf es ankommtAutomatische Untertitel immer gegenlesen, Fachbegriffe werden oft falsch erkannt
KI-Stimme (optional)
Werkzeugz. B. ElevenLabs
Worauf es ankommtDie kostenlose Stufe erlaubt keine kommerzielle Nutzung, für verkaufte Kurse brauchst du mindestens das kleinste Bezahl-Abo
Stand Oktober 2026. Funktionen und Preise der Tools ändern sich häufig, prüf vor dem Kauf die Preisseite des Anbieters.

Eine ehrliche Empfehlung: Nimm deinen ersten Kurs mit deiner eigenen Stimme auf, auch wenn sie dir ungewohnt vorkommt. Teilnehmer kaufen bei kleinen Anbietern vor allem die Person. KI-Stimmen und Avatare sparen Zeit, schaffen aber Distanz.

Schritt 7: Testlauf mit echten Teilnehmern

Gib den Kurs vor dem Verkauf drei bis fünf Menschen aus der Zielgruppe, gratis oder vergünstigt gegen ehrliches Feedback. Die entscheidende Frage ist: Haben sie die Übungen gemacht und das Lernergebnis erreicht? Wo sie hängen bleiben, fehlt eine Erklärung oder ein Zwischenschritt. Kurze Videos nachzudrehen ist bei einem Minikurs schnell erledigt.

Schritt 8: Hosting und Verkauf

Für den Verkauf brauchst du einen Ort, an dem die Videos geschützt liegen, und einen Bezahlweg. Kursplattformen und Link-in-Bio-Shops bringen beides mit, eine eigene Website gibt dir mehr Kontrolle. Egal welcher Weg: Sobald du an Verbraucher verkaufst, brauchst du Impressum, Datenschutzerklärung, eine Widerrufsbelehrung und seit Juni 2026 einen Widerrufsbutton. Die Details stehen im Ratgeber Digitale Produkte verkaufen: Was du rechtlich brauchst.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, einen Online-Kurs mit KI zu erstellen?

Ein Minikurs mit 3 bis 6 Lektionen ist mit KI-Unterstützung in ein bis drei Wochen realistisch, wenn du das Thema beherrschst. Die meiste Zeit kosten nicht Skripte oder Folien, sondern Aufnahme, Nachbearbeitung und der Testlauf.

Kann ich einen ganzen Kurs von der KI schreiben lassen?

Technisch ja, sinnvoll ist es nicht. Ein Kurs, den jeder selbst per Prompt erzeugen könnte, hat keinen Grund, gekauft zu werden. Der Wert liegt in deiner Erfahrung, deinen Beispielen und darin, dass du geprüft hast, dass der Weg funktioniert.

Muss ich einen KI-Avatar oder eine KI-Stimme kennzeichnen?

Teilnehmer sollten nicht getäuscht werden, wer zu ihnen spricht. Unabhängig von der genauen Rechtslage ist ein kurzer Hinweis im Kurs die sichere und faire Lösung. Prüf außerdem die Lizenzbedingungen des Tools, ob kommerzielle Nutzung erlaubt ist.

Brauche ich teure Technik?

Nein. Ein Laptop, ein ordentliches Mikrofon und ruhiges Licht reichen. OBS Studio für die Aufnahme ist kostenlos. Investiere zuerst in Ton, dann in alles andere.

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